Gelbe Sterne

Sehen Sie den kleinen Jungen am Strand. Auf einmal beschließt er, seine gelbe Schaufel im Sand zu vergraben. Um sie vor den heranrollenden Wellen zu schützen? Vor anderen Kindern? Niemand weiß das noch, aber wir erfahren sehr wohl, dass der kleine Prinz sie nicht mehr wiederfindet. Sie ist weg, spurlos verschwunden im Kosmos.

Sehen Sie den kleinen Jungen, der nachdenklich Richtung Strand schaut und an seine Schaufel denkt. Liegt sie dort noch? Hinter ihm, in der Stadt, spielen Jung und Alt mit Kugeln, die sich zu Sternbildern formieren. Diese leuchten gelb auf, in der Farbe, die den kleinen Prinzen mit Knokke verbindet.

Akzente

Thomas Nam Hao Thai, Lichtkünstler, VJ und Videokünstler, kurz, ein artistischer Tausendsassa, auch bekannt unter dem Pseudonym TAAI, erzählt heiter, dass in der Tat die Möglichkeit besteht, dass der kleine Prinz während des Lichtfestivals Knokke-Heist an sein spurlos verschwundenes Werkzeug denken wird. Zufall oder nicht? Die Akzentfarbe des kleinen Prinzen ist jedenfalls auch gelb. So beschloss TAAI denn auch, die Farbe seiner Kugeln anzupassen und von Weiß in ein warmes Gelb zu verändern. Das angenehme Licht passt dem Künstler zufolge besser zur Atmosphäre des Festivals.

Alle Kunstobjekte und Infos greifen den Stil des Buches auf. Das ist formvollendet.
– Thomas Nam Hao Thai

Thomas: „Ich finde die Idee, die Geschichte des kleinen Prinzen für das Lichtfestival zu verwenden, wirklich fantastisch. Alle Kunstobjekte und Infos greifen den Stil des Buches auf. Das ist formvollendet. Die verschiedenen Projekte sind dadurch miteinander verbunden und fügen sich zu einem Ganzen. Ich möchte das Wort Immersion gebrauchen, um die Erfahrung der Besucher und ihre Interaktion mit den Objekten zu beschreiben. Das Publikum wird sich tief einlassen und stärker über den kleinen Prinzen nachdenken. Und darum passen wir die Farbe von „Sternwarte“ an, um dem roten Faden der Geschichte zu folgen. Wir hoffen so, dem Gesamtkunstwerk zu dienen und nicht nur zu sagen: „Schauen Sie, das haben wir gemacht!“

Sterne

Thomas:  „Sternwarte“ ist ein Erlebnisraum, in dem die Zuschauer Sternbilder entdecken können. Wir haben die Sternbilder verwendet, die wir hier am Winterhimmel sehen können, in der Absicht, Menschen zu zeigen, dass mehr Sternbilder da sind als zum Beispiel nur Der Große und Der Kleine Bär.
Das Lichtkunstwerk besteht aus lauter kugelförmigen Körpern, die über Linien verbunden sind. Wenn die Besucher auf den richtigen Kreisen stehen, leuchtet der Boden anderer Kreise auf. Und wenn diese betreten bzw. berührt werden, werden sie über leuchtende Linien verbunden. In wenigen Minuten ist ein Sternbild entstanden.
Wir gestalten unsere Arbeit gern einfach. Ohne Text und Erläuterung lassen wir die Zuschauer spielen. Es soll für alle intuitiv funktionieren.

Ich möchte einem Publikum Erfahrungen erlauben und die Menschen unmittelbar berühren.
– TAAI

Thomas: Der schönste Moment eines Festivals ist die Zeit unmittelbar nach dem Aufbau. Man sieht die Menschen vorüberziehen und merkt, dass es funktioniert. In diesem Augenblick befindet sich das Werk nicht mehr in meinen Händen und ist nicht mehr von mir. Es ist da und öffentlich. Jeder nimmt es auf seine Weise wahr und interpretiert es selbst. Das ist ziemlich cool. Ich möchte einem Publikum Erfahrungen erlauben und die Menschen unmittelbar berühren. Darum machen Lichtfestivals so viel Spaß. Sie sind für ein Publikum entworfen, das bei dem Produkt, Kunstwerk und seiner Qualität im Mittelpunkt steht.

Nacht

Thomas: Für diese öffentlichen Aufträge arbeite ich in Nacht Collectief mit Menschen zusammen, die über andere Fähigkeiten und Skills verfügen. Selbst habe ich vier Studien abgeschlossen, besitze einen Bachelor in Multimedia, grafischem Design und Kommunikation und einen Master in Sprachwissenschaft und Literatur. Nichts davon hat mit dem zu tun, was ich jetzt mache. Meine Arbeit ist die Frucht meiner Leidenschaften und meines Interesses für die Arbeit mit Holz, Schweißen, das Selberbauen von Strukturen und etwas Bildhauerei. Ich arbeite mittlerweile vor allem mit den Händen.
Die Sternwarte ist eine Gemeinschaftsarbeit von mir und Pieter Coussement, einem Virtuosen auf dem Gebiet der Programmierung, Interaktivität, Elektronik und Musik. Mit seinen kreativen Programmierfähigkeiten erweckt er die gesamte Installation zum Leben.
Als letzter verbleibender von drei Gründern koordiniere ich die Arbeit in unserem Kollektiv. Darum ist das Wort auch Teil unseres Namens, denn wir sind kein Betrieb. (Wenn wir als Einzelpersonen Projekte realisieren möchten, haben wir die Freiheit, dies zu tun. Ich arbeite allein unter dem Namen TAAI.) Und „Nacht“ ist ein einfaches, kräftiges Wort, das zu dem passt, was wir tun. Wir arbeiten eigentlich nachts, denn dann sieht man die Lichtinstallationen. „Nacht Collectief“ ist ein ideal klingendes Wort zur Beschreibung unserer Arbeit.

Gern begeben wir uns, mit Tausenden anderen, in den Winternächten auf die Suche nach den Sternen von TAAI aus dem „Nacht Collectief“. Und wer weiß, vielleicht erhaschen wir mit ein bisschen Glück ein Zeichen des kleinen Prinzen, den es, wer weiß das schon, zu den magischen Lichtern des zauberhaften Knokke-Heist zieht …