Rhizom

Auf dem Lichtfestival Knokke-Heist können die Besucher für eines der Lichtkunstwerke am Strand Richtung Meer laufen. Über einen vierzig Meter langen Weg betreten sie einen Wald mitten am Strand, eine verlassene digitale Oase.

Die Schöpfer des Kunstwerks „Rhizom“ sind Tom und Lien Dekyvere, ein aus Westflandern stammendes Künstlerpaar, das nach mehreren Jahren internationaler Ausstellungstätigkeit stolz darauf ist, noch einmal eine Kunstshow für das Publikum seines Landes präsentieren zu dürfen. Tom erläutert, was genau das „Rhizom“ darstellen soll.

Die Welt

Tom: Für das Lichtfestival Knokke-Heist unter dem Motto „Der kleine Prinz“ wollten wir eine besondere Atmosphäre schaffen, im Rahmen derer mitten auf dem Strand eine außerirdische Aktivität stattfindet. Ich hoffe, dass die Menschen, wenn sie sich vom Deich Richtung Wasser bewegen, das Gefühl bekommen, in eine neue Welt einzutauchen. So wie der kleine Prinz dies tut, als er sich auf seine Entdeckungsreise begibt.
„Rhizom“ visualisiert eine große Struktur, in der Jean Pierre Deschepper (Kurator des Festivals) sofort ein Sternenmuster sah. Ich wage eine noch kühnere Deutung und sehe sie als einen Lebensweg oder die Verbildlichung von Objekten, die gleichzeitig zusammengehalten und voneinander losgekoppelt werden. In unserer Gesellschaft geht es oft um Homogenität, während ich es genauso wichtig finde, dass bestimmte Dinge losgelöst werden können. Natürlich nicht im buchstäblichen Sinne, denn wir arbeiten mit Seilen. „Rhizom“ ist tatsächlich eine losgekoppelte Welt am Strand.

Taue und Strukturen in der Balance

Tom: Die Arbeit besteht aus fluoreszierenden, grüngelben Seilen, kilometerlangen Tauen, die wir zu einem großen Ganzen verknüpfen und dann extern mit LED-Lampen beleuchten. Wir, die Macher, bestimmen, wo jedes einzelne Tau hinstrebt und von welchem Punkt aus wir mit einer Verzweigung zu einem anderen Punkt beginnen. All die kleinen Gruppen, die Clusterstrukturen, hängen zusammen in einem großen Ganzen. Es ist dieses Ganze, von dem man sagen kann, dass der kleine Prinz es entdeckt, und das Meer und der Strand dienen als Canvas.

Wir suchen stets nach einer Balance zwischen einem visuell attraktiven, selbstunterhaltenden, und einem schönen Content, der sich dahinter verbirgt.
– Tom Dekyvere –

Tom: Wenn Sie nach Rhizom googeln, dann sehen Sie Wurzelstrukturen von Blumen und Pflanzen. Die Strukturen, die natürlichen geometrischen Muster, finden Lien und ich faszinierend. Wir sehen in ihnen eine Parallele zur digitalen Welt, zur künstlichen Intelligenz. An dieser Schnittstelle zwischen Natur und Technologie arbeiten wir. Wir alle, jeder von uns, ist auf der Suche nach Entitäten und der Art und Weise, wie wir diese ideal miteinander kommunizieren lassen können. Nehmen wir zum Beispiel die Balance zwischen Arbeit und Privatleben. Um die geht es bei dieser Arbeit eigentlich. Ein Merkmal unserer Arbeit ist, dass wir versuchen, verschiedene Perspektiven zu beleuchten. Immer wieder suchen wir nach einer Balance zwischen einem visuell attraktiven, selbstunterhaltenden, und einem schönen Content, der sich dahinter verbirgt.

Überall und nirgends

Trotz ihres Interesses an digitalen Arbeiten nutzen Lien und Tom keine sozialen Medien, um mit ihren Kreationen Aufmerksamkeit zu erheischen.

Tom: Wir fokussieren uns auf unsere Arbeit und das bringt uns überall und nirgendwo hin. Seit wir im öffentlichen Raum arbeiten, sind unsere Social Media viele Menschen. Sie machen Fotos und platzieren diese auf allen möglichen Plattformen. So wird unsere Arbeit publik gemacht. Auf diese Weise vermeiden wir einen Ego-Kult und unterliegen nicht dem Zwang, für jede Lappalie einen neuen Post zu erstellen. Wir geben unser Bestes, um das Publikum mit etwas Schönem zu begeistern. Und in Anerkennung dessen macht es Werbung für uns.

Man kann viel Lärm produzieren, doch es sind die sanften Geschichten mit Tiefgang, die uns alle beschäftigen.
– Tom Dekyvere –

Tom: Man kann viel Lärm produzieren, doch es sind die sanften Geschichten mit Tiefgang, die uns alle beschäftigen. Wie die des kleinen Prinzen. Weil sich das Lichtfestival Knokke um eine echte Geschichte, ein Buch, dreht, ist es einzigartig im Vergleich zu anderen Festivals, die nur ein Thema haben. Ich finde den Ansatz fantastisch, er hebt alles auf ein neues Niveau. Wie soll ich sage, er macht alles märchenhafter und sanfter. Das passt zur Jahreszeit und dem Publikum, das angesprochen werden soll.

Fühlen Sie sich auch angesprochen?
Dann kommen Sie und genießen Sie das Gesamtspektakel, das Knokke-Heist Ihnen zum Jahresabschluss bietet.